Heute mal wieder ein Gastbeitrag, diesmal vom Geoinformatiker der MLU Halle Dr. Detlef Thürkow. Danke Detlef!

Starkregen wird oft erst dann ernst genommen, wenn er gerade passiert. Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller, beschädigte Gebäude – für den Moment ist die Gefahr für alle sichtbar. Doch schon wenige Monate später, wenn wieder die Sonne scheint, rückt sie gefühlt in weite Ferne. Erinnerungen verblassen, Risiken werden unterschätzt, notwendige Vorsorge bleibt aus.
Genau hier setzt NASK – Niederschlagsalarm & Starkregen-Kompass Halle (Saale) [1] an: Die Plattform bewahrt Erfahrungen aus Starkregenereignissen und macht sie dauerhaft sichtbar – für Bürgerinnen und Bürger ebenso wie für Verwaltung und Katastrophenschutz.

Von der abstrakten Karte zum realen Erlebnis
Starkregengefahrenkarten gibt es inzwischen vielerorts, und für Fachleute sind sie ein wichtiges Planungsinstrument. Für viele Bürgerinnen und Bürger bleiben die großen blauen Flächen auf einer Karte jedoch abstrakt – sie zeigen mögliche Überflutungsbereiche, vermitteln aber kaum, wie sich ein Starkregenereignis tatsächlich vor Ort auswirkt.
Gerade erst hat das Geoportal.de [2] – als eine der zentralen Komponenten der GDI-DE, betrieben vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie – seine Plattform zur Recherche, zum Download und zur Darstellung von Geodaten und Geodatendiensten grundlegend überarbeitet, mit Version 3.0 und eigener Themenseite auch zu Starkregen. Das zeigt: Auf Bundesebene wird viel investiert, um Geodaten zu diesem Thema besser auffindbar und nutzbar zu machen. Doch so wertvoll diese zentrale Infrastruktur ist – sie bleibt eine Ebene über dem, was Menschen vor der eigenen Haustür erlebt haben.
NASK ergänzt diese Karten deshalb um eine entscheidende Perspektive: die reale Erfahrung aus der Stadt. Über die Plattform können Bürgerinnen und Bürger Starkregenereignisse dokumentieren [3] und Fotos hochladen – von überfluteten Straßen, vollgelaufenen Unterführungen oder Wasserständen an Gebäuden. So entsteht mit Hilfe dieser ersten zentralen Funktion des Portals Schritt für Schritt ein digitales Gedächtnis der Stadt für Starkregenereignisse, das Risiken greifbar macht, wo Karten allein an ihre Grenzen stoßen.
Ein weiteres Herzstück der modular aufgebauten Plattform (Gefahren melden, verstehen, erkennen) ist das zugehörige Kartenportal [4]: Hier laufen nicht nur die Gefahrenmeldungen der Bürgerinnen und Bürger zusammen, sondern auch Meldungen des Katastrophenschutzes – wie der Feuerwehr Halle, künftig sollen weitere Partner hinzukommen. Darüber hinaus sind die amtlichen Informationen von Bund und Ländern über zugehörige Geodienste eingebunden. So entsteht ein gemeinsamer, räumlich verorteter Überblick aus ziviler Beobachtung und professioneller Einsatzerfahrung.
Gleichzeitig bietet die Plattform konkrete Vorsorge-Informationen: welche Schutzmaßnahmen für Gebäude möglich sind, wie sich ein Grundstück gegen Starkregen sichern lässt und wie man sich im Ereignisfall richtig verhält. NASK verbindet damit Risikoinformation und praktische Handlungsmöglichkeiten und stärkt gezielt die Eigenvorsorge der Bevölkerung.
Technisch auf aktuellem Stand
Pünktlich zum Launch wurde unter der Haube des Systems noch einmal nachgeschärft: Live-Widgets zeigen aktuelles Wetter und Kurzfristprognose für Halle, und aktuelle DWD-Wetterwarnungen laufen jetzt als eigener Layer direkt in die Plattform ein – gespeist aus dem offiziellen DWD-Geodatendienst auf Gemeindeebene, alle 30 Minuten aktualisiert. Wer sich vertiefend zum Thema informieren möchte, findet außerdem zwei neue Lernmodule [5] zur städtischen Überflutung durch Starkregen: einen kompakten Schnellüberblick und eine ausführliche Vertiefung.
Ein Projekt aus Forschung, Verwaltung und studentischer Praxis
Entstanden ist NASK aus einer mehrjährigen Zusammenarbeit zwischen dem Team Klimaschutz der Stadt Halle (Saale) und dem Institut für Geowissenschaften und Geographie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Ziel der Kooperation: konkrete Herausforderungen der kommunalen Klimaanpassung in Forschung und Lehre einzubringen und gleichzeitig praxisnahe Lösungen für die Stadt zu entwickeln.
Den Großteil der Plattform – von der Aufbereitung komplexer Geodaten bis zur technischen Umsetzung – haben unser Forschungsteam und die Projektpartner in Stadtverwaltung und Katastrophenschutz entwickelt. Im Rahmen eines studentischen Seminars haben Studierende darüber hinaus das Meldeformular [3] entworfen und das kompakte Lernmodul entwickelt und damit zentrale Kompetenzen für ihren späteren Berufsweg erworben – von Fragen der Nutzerfreundlichkeit bis zur verständlichen Vermittlung von Klimarisiken für Verwaltung und Öffentlichkeit. Gefördert wurde das Projekt im Rahmen von SMARTilience, mit Mitteln der Europäischen Union (NextGenerationEU) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.
NASK zeigt, wie Kommunen, Wissenschaft und Studierende gemeinsam praxisnahe Lösungen für die Klimaanpassung entwickeln können, und ergänzt bestehende Starkregengefahrenkarten um lokales Erfahrungswissen – ein übertragbares, skalierbares Modell für partizipative Starkregenvorsorge.
Werden Sie Teil des Projekts!
Am Donnerstag, 17. September 2026, 16–17 Uhr, stellen wir die Plattform beim Launch-Event live vor – im Institut für Geowissenschaften und Geographie, Haus Geographie, Raum 3.31. Auf dem Programm: die Homepage im Härtetest, gemeinsame Navigation durch die interaktiven Hochwasser- und Starkregenkarten, und der Austausch mit anderen Bürgerinnen und Bürgern über Erfahrungen und Handlungsmöglichkeiten.
Ihre Meldung macht den Unterschied. Machen Sie mit für eine starkregensichere Stadt:
starkregen.geo.uni-halle.de [1]
Ihre Ideen. Ihre Erfahrungen. Unsere Stadt. Gemeinsam sicher.

Zum Autor:
Dr. Detlef Thürkow ist Geoinformatiker mit Fokus auf digitale Bildung und angewandte Geoinformationstechnologien und Drohnenpilot mit dem Fokus auf UAV-Umweltmonitoring. Er lehrt Geoinformatik & Web-Kartographie und leitet Computerpools und Geoinformationsbereich des Instituts. Seine Schwerpunktee bilden Geoinformatik, Geodateninfrastrukturen, UAV, Klimaanpassung, E-Learning
Dr. Detlef Thürkow, Institut für Geowissenschaften und Geographie, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Fachgebiet Digitale Geographie,
E-Mail: detlef.thuerkow@geo.uni-halle.de
[1] … https://starkregen.geo.uni-halle.de
[2] … https://www.geoportal.de/
[3] … https://survey123.arcgis.com/share/6533f914e7db4430bede197f46848de0?portalUrl=https://mlu.maps.arcgis.com
[4] … https://starkregen.geo.uni-halle.de/pages/karten
[5] … https://starkregen.geo.uni-halle.de/pages/storymap