
Also eigentlich dachte ich, ich kenne mich mit OGC-konformen Geodiensten ganz gut aus. Nun bin ich aber in Berlin (IMHO ein echter Open Data Vorreiter!) auf einen im März 2026 aktualisierten ALKIS-WMS [1] gestoßen, den ich in dieser Form noch nicht erlebt habe und eigentlich so auch nicht verstehe. Warum betreibt man einen WMS anders als vom Standard vorgesehen?
Ein WMS zeichnet sich lt. Wikipedia durch folgenden Eigenschaften aus:
„Im Sinne eines verteilten Geoinformationssystems (GIS) besitzt ein WMS nur die Fähigkeit zur Auskunft der notwendigen Metainformation, zur Visualisierung dieser Geodaten und für eine allgemeine Abfrage der zugrundeliegenden Sachdaten.“ [2]
Bekanntermaßen liefert mir ein WMS eine Karte mit GetMap (ein georeferenziertes Bild als PNG, GIF, JPG, TIFF, …) und gleichzeitig auf Anfrage die Sachdaten eines Objektes über einen abgefragten Punkt (Koordinate) in diesem Dienst mit GetFeatureInfo. Des Weiteren können noch die Legende mit GetLegendGraphic und die Eigenschaften mit GetCapabilities abgefragt werden.
In Berlin macht man es nun aber plötzlich anders. Hier werden die Inhalte zur Visualisierung für die Flurstücke, Gebäude, Bauwerke, … in einem Layer gemischt und die Sachdaten getrennt in weiteren fünf Layern, immerhin alles in einem Dienst vorgehalten, einer für die gemischte Karte (GetMap) und die fünf für die Sachdaten (GetFeatureInfo). Aber warum? Das heißt ja für den Nutzer in seinem GI-System immer mindestens zwei Layer laden, einen mit der Karte ohne Sachdaten, um die Geodaten überhaupt zu sehen und den zweiten, eben mit leerer Karte, nur, um die Sachdaten via Identifikation abfragen zu können. Das bringt
- die Nutzer durcheinander,
- erhört den Aufwand,
- senkt die Transparenz,
- konterkariert IMHO die WMS-Philosophie und
- ist doch eigentlich total unnötig, oder?
Ich hätte je einen Layer für Flurstücke, einen für Gebäude, Bauwerk, Nutzung, etc. erwartet, jeweils mit Karte und Sachdaten, so wie üblich und in allen anderen Bundesländern auch realisiert, üblicherweise getrennt nach Flurstücken, Gebäuden und tatsächlicher Nutzung. Für GIS-Insider ist das vielleicht gewöhnungsbedürftig, aber machbar, für „normale“ Endkunden ohne spezielle GIS-Kenntnisse im WebGIS wie OpenLayers, Leaflet oder MapLibre eine Zumutung.
Hier die Problematik für das Thema „Flurstücke“ mal bebildert:





Ich habe mich mit einigen Fachkollegen dazu ausgetauscht, keiner hatte eine Idee oder plausible Erklärung. Und was macht man heute, man befragt die KI, meinen Chat dazu findet Ihr in [3]. Aber auch dort bin ich nicht wirklich fündig geworden. Der noch plausibelste Grund für verschiedene Toleranzen sollte bei Flurstücken, Gebäuden, … eher keine Rolle spielen, diese Objekte trifft man per Mausklick im Allgemeinen immer sicher.
Vielleicht können uns die Berliner Kollegen mal auf die Sprünge helfen, warum sie das so (ungewöhnlich) gelöst haben, gern in den Kommentaren. Ich jedenfalls bin gespannt und lerne gern dazu!
Übrigens, über den für mich unverständlichen, weil unterschiedlichen Umgang mit inhaltlich gleichen Themen in den einzelnen Bundesländern habe ich in meinem Vortrag „Open Data in D: Perfekte Idee, halbherzige Umsetzung? Ein Erfahrungsbericht.“ auf der FOSSGIS 2025 in München [4], [5] das erste Mal berichtet, dann immer mal wieder.
[1] … https://gdi.berlin.de/services/wms/alkis?SERVICE=WMS&REQUEST=GetCapabilities
[2] … https://de.wikipedia.org/wiki/Web_Map_Service
[3] … https://geoobserver.de/download/KI_ALKIS_WMS_Berlin_ChatGPT52_20260428.pdf
[4] … https://www.youtube.com/watch?v=bVLV-df5O6I
[5] … https://geoobserver.4lima.de/downloads/myPresentations/FOSSGIS_2025_ OpenDataGermany_Erfahrungsbericht_Elstermann_v02.pdf










